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Original Simplicissimus in unserem Zeitungsarchiv
(Bekannte politisch-satirische Wochenzeitschrift mit vielen Karikaturen)

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Simplicissimus

Der Simplicissimus war eine wöchentlich erscheinende Satire-Zeitschrift mit Sitz in München.

Ihre erste Ausgabe erschien bereits am 4. April 1896. Gegründet wurde sie von Albert Langen, der dabei von Frank Wedekind unterstützt wurde. Langen hatte ursprünglich nicht intendiert, ein Satireblatt herauszugeben, sondern orientierte sich an der französischen Illustrierten Gil Blas Illustré, die als Literaturrevue umschrieben werden kann. Aus der französischen Literatur ist auch der Name Simplicissimus entlehnt. Er kann auf die Titelfigur des Schelmenromans "Der abenteuerliche Simplicissimus" zurückgeführt werden, der 1668 von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen publiziert wurde. Passend dazu wurde in der Erstausgabe der Wochenschrift auch ein Zitat aus der literarischen Vorlage präsentiert, das als Leitspruch verstanden werden kann: "Es hat mir so wollen behagen, / Mit Lachen die Wahrheit zu sagen."

Anfangs verfolgte die Bebilderung ausschließlich den Zweck, die literarischen Inhalte auszuschmücken. Mit der Zeit gewannen jedoch die politischen Karikaturen, mit denen der Simplicissimus heute assoziiert wird, zunehmend an Bedeutung.

Die Satirezeitschrift ist mit einer Vielzahl großer Namen verbunden. So arbeiteten neben dem Gründer Langen und Frank Wedekind u.a. Ludwig Sinsheimer, Ludwig Thoma, Korfiz Holm und Walter Foitzick in der Redaktion. Außerdem wurden in regelmäßigen Abständen Texte von Schriftstellern veröffentlicht, die auch heute noch sehr bekannt sind. Dazu zählen etwa Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Hermann Hesse, Mascha Kaleko, Joachim Ringelnatz und Thomas Mann. Auch die Zeichner des Blattes waren keine Unbekannten. So steuerten neben Thomas Theodor Heine beispielsweise Bruno Paul, Ferdinand von Reznicek, Erich Schilling, Eduard Thöny und Rudolf Wilke Illustrationen bei.

Über die Jahre hinweg geriet der Simplicissimus immer wieder in Konflikt mit der Obrigkeit und wurde deshalb phasenweise verboten. Die Zensurmaßnahmen verstand Langen jedoch so geschickt für eigene Zwecke zu nutzen, dass sie den Verkaufszahlen eher zu- als abträglich waren.

Der erste Sündenfall stellte sich beim Simplicissimus ein, als der Erste Weltkrieg seinen Auftakt nahm. Mitgerissen von der allgemein vorherrschenden Kriegsbegeisterung lieferte die Wochenzeitschrift nun Kriegsverherrlichung und Durchhalteparolen. Es folgte eine Zeit der Neuorientierung, aus der die Redaktion insofern erstarkt hervorging als sie sich auf die von den Lesern geschätzte Aufgabe besann, das politische Geschehen mit ihren besonderen Mitteln zu analysieren und kritisieren. Der zunehmend an Macht gewinnende Nationalsozialismus stand in den Folgejahren im Fokus der Kritik. Einige der schärfsten Hitler-Karikaturen wurden im Simplicissimus publiziert. Umso befremdlicher mutet es an, wie widerstandslos sich die Redaktion "gleichschalten" ließ. So mussten etwa der jüdische Zeichner Heine und Franz Schoenberner, nachdem sie außer Landes geflohen waren, schmerzlich zur Kenntnis nehmen, dass aus den ehemaligen Weggefährten und Hitler-Kritikern Nazi-Propagandisten geworden waren. Der einst so bissige Simplicissimus war beschämend zahm und harmlos geworden.
1944 wurde die Produktion eingestellt.

Neben der ursprünglichen Version des Satiremagazins erschien im Jahr 1934 auch eine Emigrationsausgabe, die unter dem Namen Simplicus in Prag herstellt wurde. Zwischen dem 13. September 1934 und dem 4. Juli 1935 wurde sie unter dem zusätzlich verkürzten Titel Simpl herausgegeben.

Eine Reihe weiterer Ausgaben sollte an den anfänglichen Erfolg des Mediums anknüpfen. Noch während dieses existierte, wurde eine französische Ausgabe vertrieben, in der die Bildunterschriften mit französischen Übersetzungen überklebt waren. In den Jahren 1946 bis 1950 wurde in München eine Zeitschrift namens Simpl verlegt, deren urheberrechtlicher Status jedoch schnell eine Namensänderung erforderlich machte. Zwischen 1954 und 1967 sowie in den Jahren 1981/1982 erschien der Simplicissimus erneut. Der letzte Versuch einer Neuauflage wurde 1997 unternommen, musste aber im Folgejahr aufgrund von finanziellen Problemen abgebrochen werden.